
In Indien hat die Tradition des natürlichen Färbens von Stoffen eine lange Geschichte. Häufig werden Farbstoffe aus Pflanzen gewonnen, wie Kurkuma für Gelb- und Gelborangetöne, Saflor für Rosa- und Rottöne oder Indigo für Blautöne. Eine weitere wichtige Quelle sind Blumen, von denen jährlich bis zu acht Millionen Tonnen als Opfergaben in indische Tempel gebracht werden.
Das Sozialunternehmen in Mumbai, das diese wunderschönen Seidenschals gefärbt hat, nutzt diese Tempelblumen – hauptsächlich Rosen, Hibiskus und Ringelblumen – als natürliche Farbstoffquelle. Indem verblühte Blumen zum Färben von Stoffen verwendet werden, hilft das Unternehmen, die enorme Menge an verwelkten Opfergaben zu reduzieren, die sonst oft in Flüssen entsorgt werden würden.
Neben der handwerklichen Fertigung, die jeden Seidenschal zu einem Unikat macht, zeichnet er sich auch durch seine soziale Dimension aus. Das Team der Färberinnen besteht hauptsächlich aus talentierten, autodidaktischen Kunsthandwerkerinnen, die sich die Kunst des natürlichen Färbens mit grosser Begeisterung angeeignet haben – trotz oft geringer formaler Bildung.
Der handgewobene Seidenschal stammt aus der historischen Stadt Maheshwar im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Maheshwar ist berühmt für seine exquisite Handwerkskunst, die ein wichtiger Bestandteil des reichen textilen Erbes Indiens ist. Die Geschichte der Maheshwari-Seidenstoffe reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert, zur Herrschaft von Rani Ahilyabai Holkar, der Königin von Malwa. Der Legende nach beauftragte sie Weber aus Surat und Malwa, einen besonderen Saree für den königlichen Hof zu kreieren. Das Ergebnis war der Maheshwari-Saree – eine elegante Mischung aus Seide und Baumwolle, verziert mit filigranen Mustern, die von der Architektur Maheshwars inspiriert sind.

Farben, gewonnen aus Pflanzen, spielen in der indischen Kultur eine wichtige Rolle und sind oft mit Tradition, Region und Religion verbunden.