Menu

Gifts with Stories

LANGE BEVOR MENSCHEN TON ZU GEFÄSSEN FORMTEN, FLOCHTEN IHRE HÄNDE BERETIS SCHILF. DIESES URALTE WISSEN FAND IN TUNESIEN EINE BESONDERS REICHE HEIMAT.

 

Tunesien, an der Schnittstelle von Afrika, dem Mittelmeer und der arabischen Welt, hat über Jahrhunderte verschiedenste Einflüsse aufgenommen und sie buchstäblich in sein Kunsthandwerk eingewoben.

Doch dieses jahrtausendealte Erbe verschwindet leise. Ein Handwerk, das Nomadenwanderungen und ganze Imperien überdauert hat, verliert heute einen stilleren Kampf: den gegen die fehlende Nachfrage. Plastik ist billiger, Industrieware schneller produziert.

Dabei ist Schilf eine aussergewöhnliche Pflanze – robust, hygienisch und vollkommen natürlich. Schilfmatten, auf Arabisch Hassir genannt, gehören zu den ältesten Handwerkstraditionen Nordafrikas und werden in Tunesien seit Jahrhunderten aus dem Schilf der Feuchtgebiete geflochten, besonders rund um den Ichkeul-See im Norden des Landes.

In tunesischen Moscheen spielen sie eine zentrale kulturelle und religiöse Rolle: Sie bedecken den Boden des Gebetsraums und dienen als Unterlage für das tägliche Gebet. Wegen ihrer natürlichen Hygiene, Kühle und Atmungsaktivität sind sie ideal für barfüssige Gläubige. In vielen der ältesten Moscheen des Landes – etwa in der Grossen Moschee von Kairouan, einer der bedeutendsten der islamischen Welt – sind sie noch heute ein fester Bestandteil. Auch in Wohnhäusern und traditionellen Kaffeehäusern gehörten Schilfmatten jahrhundertelang zum Inventar, wo sie Wärme und Würde in den Raum brachten.

Die Halme werden getrocknet, manchmal gefärbt und in aufwendiger Handarbeit zu Matten, Körben oder Wandverkleidungen verwoben. Die Muster reichen von schlichten, geometrischen Strukturen bis hin zu farbenfrohen traditionellen Motiven.

Heute ist die Schilfflechterei im Wohnbereich kaum mehr zu finden – verdrängt durch importierte Teppiche und Massenware. Sie lebt vor allem durch das Engagement einzelner Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker weiter, die das uralte Wissen behutsam in die Gegenwart tragen.

In Tunesien wird das traditionelle Kunsthandwerk mehr und mehr verdrängt; sogar im Souk gibt es jede Menge chinesischer Ware zu kaufen.